Die Gesellschaft. Als 1930 der holländische Brotaufstrichhersteller Margarine Unie und das britische Seifenunternehmen Lever Brothers fusionierten, galt das als der bis dahin größte Firmenzusammenschluss der Welt. Auch in den Folgejahren machte das Unternehmen durch weitere Übernahmen von sich reden, sodass allein die deutsche Unilever-Gruppe in den 30er Jahren schon aus 100 Unternehmen bestand. Die bislang größte Einkaufstour seiner Geschichte startete der Konzern im Jahr 2000 mit der Übernahme des US-Lebensmittelkonzerns Bestfoods für über 20 Milliarden Dollar, der Marken wie Knorr, Pfanni und Mondamin mitbrachte.
Muttergesellschaften des heutigen Konzerns sind die an der Londoner Börse notierte Unilever Plc. und die an der Rotterdamer Börse notierte Unilever NV. Im Juli 2005 wurden unter dem Stichwort "One Unilever" deren größte Geschäftsbereiche, die bisher in einzelne Gesellschaften untergliedert waren, zu einer einzigen Firma verschmolzen. Zugleich wurden die Führungsstrukturen im Konzern gestrafft: Die traditionelle Doppelspitze wurde abgeschafft, alleiniger Vorstandschef (Group Chief Executive) ist seitdem der Franzose Patrick Cescau. In Deutschland wurden Unilever Bestfoods, und Lever Fabergé zur Unilever Deutschland GmbH zusammengefasst.
Produkte. Das Angebot des Konsumgüter-Herstellers umfasst Markenartikel der Sparten Ernährung, Körperpflege sowie Wasch- und Reinigungsmittel. Zu den Marken gehören Knorr, Becel, Rama, Bertolli, Langnese, Dove, Axe und Domestos. Im Jahr 2000 hat Unilever damit begonnen, sein Markenportfolio zu verschlanken und sich auf die stärksten Marken zu konzentrieren. Mit 400 Kernmarken - statt bisher 1.600 - erwirtschaftet Unilever heute mehr als vier Fünftel seiner Erlöse. Zwölf dieser Marken machen weltweit jeweils mehr als eine Million Euro Umsatz.
Marktbedeutung und Wettbewerb. Im Geschäftsjahr 2006 erzielte der Konzern weltweit einen Umsatz von 39,6 Milliarden Euro und in Europa von 2,1 Milliarden Euro. Der Gewinn betrug 5,02 Milliarden Euro (Vorjahr: knapp 5,3 Milliarden), wobei rund 1,2 Milliarden Euro durch den Verkauf der Traditionsmarke Iglo erzielt wurden. Unilever macht rund die Hälfte seines Umsatzes mit Nahrungsmitteln, die andere mit Haushalts- und Körperpflegeprodukten. Der Konzern will sich in den kommenden Jahren verstärkt auf gesundheitsorientierte Produkte konzentrieren, die höhere Margen versprechen. Das neue Programm steht unter dem Motto "Vitality" und zielt darauf, den Konsumenten "das Leben auf jede erdenkliche Art und Weise einfacher, aktiver und angenehmer zu gestalten", betont das Management.
Standorte und Mitarbeiter. Der Unilever-Konzern hat zwei Muttergesellschaften mit Sitz in London und Rotterdam und ist in mehr als 100 Ländern der Welt mit eigenen Tochtergesellschaften vertreten. Weltweit beschäftigt das Unternehmen etwa 189.000 Mitarbeiter. Unilever Deutschland mit Sitz in Hamburg hat etwa 6.900 Beschäftigte. In Hamburg selbst arbeiten rund 1.200 Menschen für den Konsumgüter-Hersteller. Die übrigen sind an den bundesweit neun Produktionsstandorten und in Vertriebsniederlassungen tätig. Ingenieure sind überwiegend an den Produktionsstandorten beschäftigt. Zum 1. Januar 2008 hat sich das Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einer gemeinsamen Firmenorganisation neu strukturiert. In Deutschland will Unilever die Kosten weiter senken und daher bis Ende 2009 etwa 190 Arbeitsplätze sozialverträglich abbauen.
Unternehmensorganisation. Um Zuständigkeiten und Verantwortung klarer zu verteilen und Komplexität zu reduzieren, wurden Management-, Divisions- und Länderstrukturen 2005 gestrafft. Die Geschicke des Konzerns werden jetzt vom CEO und einem "Operating Team" gelenkt, das aus den Leitern der Bereiche Lebensmittel und Kosmetik/Haushaltswaren, den Regionalverantwortlichen für Amerika, Europa und Asien/Afrika sowie dem Finanz- und Personalvorstand besteht. Die Unilever Deutschland GmbH vereint die Marktaktivitäten Unilevers in Deutschland und untergliedert sich in die Geschäftsbereiche "Foods", "Ice Cream and out of Home", "Home and Personal Care" und "Foodsolutions".
Karriere bei Unilever. Vorgeformte Karrierewege gibt es nicht:
Der Aufstieg hängt von den individuellen Fähigkeiten ab. Sowohl Führungs- als auch Expertenlaufbahnen sind möglich. Für Ingenieure ist eine Management-Laufbahn vorgesehen. Der Einstieg beginnt
mit dem Management-Nachwuchsprogramm "UniTrain". Gleich am Anfang machen sich Absolventen in einem einwöchigen Seminar mit den Werten und Zielen des Unternehmens vertraut und übernehmen als Assistant Manager Verantwortung für eine konkrete Aufgabe. Beispielsweise konzipieren sie neue Produktionslinien. Der oder die Vorgesetzte begleitet sie mit regelmäßigem Feedback zu Leistung, Stärken und Potenzial. Die Tätigkeit wird ergänzt durch Seminare, Trainings und Gruppengespräche, in denen die Mitarbeiter an Persönlichkeit und Auftreten arbeiten können. Parallel dazu bekommen sie fachliche Trainings. Nach etwa zwölf Monaten übernehmen sie in der Regel eine neue Aufgabe oder Funktion, die mit mehr Verantwortung verbunden ist. Ist das Programm "UniTrain" dann nach etwa 24 Monaten beendet, treten die UniTrain-Absolventen ihre erste Managementaufgabe an.
Einstieg nach dem Hochschulstudium. 2008 sollen 35 Hochschulabsolventen bei Unilever einsteigen. Besonders gesuchte Fachrichtungen sind BWL, VWL, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Lebensmitteltechnik, Chemie sowie Lebensmittel-Chemie. Unilever sucht Absolventen, die ihr Studium zügig und mit sehr guten Noten abgeschlossen haben. Ebenso wichtig sind außeruniversitäres Engagement, Auslandserfahrung und qualifizierte Praktika. Bewerben sollte man sich idealerweise etwa drei Monate vor dem angestrebten Einstiegstermin, Assessment-Center finden in der Regel alle zwei Wochen statt. Das Einstiegsgehalt liegt bei 43.000 Euro.
Abschlussarbeiten. Unilever betreut Abschlussarbeiten und zahlt den Studenten während dieser Zeit 800 Euro monatlich. Im Normalfall schließt die Erstellung einer Abschlussarbeit an ein Praktikum an. Ein geeignetes Thema ergibt sich meist im Laufe der Zusammenarbeit.
Praktika. 2008 stehen 250 Praktikumsplätze für Studierende im Hauptstudium zur Verfügung. Gesucht werden in erster Linie BWLer, VWLer, Wirtschaftsingenieure, Wirtschaftsinformatiker, Maschinenbauer, Verfahrenstechniker, Lebensmitteltechnologen und Chemie-Ingenieure. Die Praktikanten arbeiten im Tagesgeschäft mit und sind mit eigenen Projekten betraut. Bei der Auswahl der Bewerber achtet die Personalabteilung auf Abitur- und Vordiplomnote, Praktika und außeruniversitäres Engagement. Die Mindestdauer eines Praktikums liegt bei drei Monaten.
Die Praktika finden in verschiedenen Abteilungen der Bereiche Absatzmanagement, Financial Management, Supply Chain Management, Technisches Management und Personalmanagement statt und beinhalten das selbstständige Bearbeiten eines Projektes. Zudem erhalten die Praktikanten Einblicke in die Organisation, in Geschäftsabläufe, Produktionsprozesse und Kundenstrukturen. Bei sehr guter Beurteilung erhalten sie eine Empfehlung zur Teilnahme am Assessment-Center für den Einstieg in das "UniTrain"-Programm nach dem Studienabschluss.
Von Kandidaten für ein Praktikum erwartet Unilever Spaß am selbstständigen Arbeiten im Team, sehr gutes Englisch, erste Auslandserfahrung und Flexibilität. Im Bereich Marketing ist es sehr wahrscheinlich, dass Praktikanten in Hamburg eingesetzt werden. Praktika im technischen Bereich finden meist in einem der Werke statt, selten in Hamburg. Praktika werden mit 800 Euro pro Monat vergütet. Auslandspraktika sind nur selten möglich. Die Bewerbung läuft dann direkt über die Firmen im jeweiligen Land.
Einstieg als Fachkraft. Freie Stellen werden auf der Website ausgeschrieben.
Einstieg als Auszubildender. 2008 stehen bundesweit etwa 60 Ausbildungsplätze für Industriekaufleute, Bürokaufleute, Fachkräfte für Lebensmitteltechnik und Chemielaboranten zur Verfügung. Zudem bietet Unilever in Hamburg zusammen mit der FH Nordakademie Elmsholm ein duales Studium an, das nach 3,5 Jahren mit dem Bachelor of Science in Betriebswirtschaftlehre abschließt. Voraussetzung: Abitur. Start ist am 1. August, ab Frühherbst des Vorjahres werden Kandidaten ausgewählt.